Eine private Tierarzt-Seite – geht das überhaupt???
Ich behaupte einfach mal „nein“!
Wir Tierärzte neigen dazu, zuhause nicht abschalten zu können, fragen uns, ob wir den Arbeitstag fehlerfrei überstanden haben, ob wir die bestmöglichen Behandlungen vorschlagen und durchführen konnten – aber auch, warum es uns nicht bei jeder/m Tierhalter*in gelingt, das Vertrauen zu gewinnen und wir deshalb den Patienten nicht so helfen durften, wie wir es eigentlich wollten und können.
Wenn Mama und Papa beide Tierärzte sind, dann haben es die Kinder beim Abendessen oft nicht leicht mit uns 🙈.
Die Vereinbarung, am Esstisch keine medizinischen Themen zu besprechen, hat sich bewährt – fällt uns aber gelegentlich schwer…
Mal sehen, wie sich diese Seite entwickeln wird…
Ich versuche, euch in meinem Tierarzt-Blog ein wenig in meine Gedankenwelt mitzunehmen, werde vielleicht hier und da medizinische Themen ansprechen, aber wahrscheinlich auch oft den Kummer, den die Realität des Arbeitsalltags in einer Tierarztpraxis mit sich bringt.
Tierarzt/Tierärztin ist ein toller Beruf! Du arbeitest den ganzen Tag (und nachts mit Licht) an Tieren, kannst sie knuddeln, untersuchen, operieren, heile machen – und manchmal musst du sie von ihrem Leid erlösen. Aber auch das ist gut so, denn wir haben wenigstens diese Möglichkeit (warum das bei Menschen so nicht klappt, ist ein komplexes anderes Thema, das sich leider nicht in einem Satz beantworten lässt).
Blöderweise kommen unsere flauschigen Patienten nur selten alleine in die Praxis… und tatsächlich sind die Tierhalterinnen und Tierhalter in erschreckend vielen Fällen der Grund dafür, weshalb so viele Tierärzte einfach keine Lust mehr auf ihren früheren Traumjob haben.
Das trifft natürlich nicht auf unsere Kunden zu, denn wir kommunizieren schon seit Jahren offen in unserer Praxis, welche Benimmregeln wir uns im Umgang miteinander wünschen – und wir sortieren auch schon seit Jahren chronisch grummelige, unzufriedene, unfreundliche Frauchen und Herrchen aus (aber auch das kostet Nerven)!
Wusstest du, dass das Selbstmordrisiko bei Tierärzten etwa viermal so hoch ist, wie in anderen Berufsgruppen – und immer noch doppelt so hoch wie bei Humanmedizinern? Über die Gründe können wir ja vielleicht auch mal im Blog philosophieren…
Ich behaupte von mir seit über 20 Jahren als Tierarzt in der eigenen Praxis, dass ich mich für psychisch stabil halte und nicht suizidgefährdet bin – obwohl ich mich mit meinem Wissen und den griffbereiten Medikamenten jederzeit absolut entspannt in den Himmel befördern könnte.
Vielleicht hilft mir auch der Sarkasmus, den ich in den letzten Jahren entwickelt habe (entwickeln musste?), und den du beim Lesen meiner Beiträge mal mehr mal weniger deutlich fühlen wirst, dass das so bleibt 🤷♂️.
Damit ich ein guter, empathischer Tierarzt sein kann, muss es zunächst mir selbst gut gehen!
Also werde ich alle bösartigen Störfaktoren konsequent aus meinem Berufs- und Privatleben fern halten!
Damit schütze ich mich, meine Familie und mein Team!
Seid nett zu uns und wir sind nett zu euch 😉❤️!
